Mittwoch, 30. Dezember 2015

Jeffreys Bay

11.11. beginnt der Karneval, also so ganz offiziell, oder wie ich in Port Elizabeth landete, zuvor habe ich jedoch meinen Job gekündigt und mich dazu entschlossen, auch wenn ich jetzt schon 30 Jahre alt bin, die Welt zu erkunden.
Mein erster Stopp ist Jeffreys Bay in Südafrika. Ich habe einen 4 wöchigen Englischkurs an der Island Vibe Language School, inkl. Übernachtung gebucht. Es ist ja nicht so, dass ich kein Englisch könnte, aber der Perfektionist in mir möchte immer mehr. Und außerdem habe ich Hemmungen mit Locals zu reden.
Zu dem Geschäftsmodell "Island Vibe" gehört eine Surfschule, ein Flashpackers, ein Backpackers, eine Residenz für Studenten und Volunteers und die Language School. Außerdem gibt es ein Backpacker in Port Elizabeth und Knysna.

Island Vibe ist auf einem Hügel, direkt am Strand und am Township gelegen. Letzteres macht den Aufenthalt spannend. In einer Nacht wurden drei Mädels direkt vor dem Eingang zur Residenz überfallen. Vorher haben die Täter noch das Auto von einem Angestellten aufgebrochen, was heißen soll, sie haben die Scheibe vom Beifahrersitz eingeschlagen. Das ist leider Tagesordnung. Das erste, was man mir erzählte war, dass ich auf keinen Fall alleine Abends, also nach Sonnenuntergang, in die 10 Minuten zu Fuß entfernte Stadt laufen darf. AUF GAR KEINEN FALL!!
Und nach rechts, den Strand entlang, geht man besser auch nicht. OK.
Also wen man mal ausblendet, dass der Besitzer sich eine goldene Nase verdient und die Kriminalität nicht zu verachten ist, kann ich jetzt anfangen ein paar Erlebnisse zu erzählen.

Die meiste Zeit verbrachte ich tatsächlich in Jeffreys Bay. Ich hatte von Montag bis Freitag von 9.00 Uhr bis 15.00 Uhr Unterricht. Nach der Schule ging es dann direkt in die Stadt. In der ersten Woche habe ich Fabienne in der Stadt kennengelernt und wir haben uns gut verstanden. Also haben wir uns öfter getroffen. Nur zum Ende hin wurde unser Kontakt etwas mager bis hin zu einer dubiosen Abschieds-SMS mit den letzten Worten "Mach's gut", kein "Aufwiedersehen" oder "Ich hoffe/freue mich, wenn wir uns Wiedersehen..." Ich lass das mal so stehen.

Nun zum schlüpfrigen Teil. Ich habe bis jetzt noch nicht viele Backpacker in Südafrika gesehen, aber Island Vibe ist bis jetzt der größte Puff. Hier muss sich keiner Sorgen machen, unbefriedigt ins Bett gehen zu müssen und selbst wenn man das tut, kann es passieren, dass plötzlich der Typ, mit dem du dich vorher noch an der Bar unterhalten hast, in deinem Bett neben dir liegen möchte.
Ansonsten kann ich wohl sagen, trifft man auf eine Gruppe Männer im Alter von 21 bis 30, kann man sicher davon ausgehen, dass mindestens einer von ihnen oder besser noch alle, eine Challenge am Laufen haben, die nur ein Ziel verfolgt, so viele Frauen wie möglich zu vögeln oder Punkte für Blowjobs, farbige Frauen, Analsex und sonstige Aktivitäten zu vergeben. Und da ich eher der Kumpeltyp bin, wurde ich selbstverständlich in diese Vorgehensweise eingeweiht.

Dann gab es hier noch Simon. Simon aus London, irgendwas mit vierzig alt, wohnt immer im Zelt und ist mir der Liebste. Ich saß jeden morgen mit meinem Kaffee im Garten und wir unterhielten uns, während er Armbänder und Fußketten knüpfte. Aber eigentlich war es so, dass er mit mir redete und ich zuhörte, denn ganz besonders bei ihm wollte ich einfach nicht Englisch reden, weil er mich auch ständig korrigierte und ich mich furchtbar geschämt habe.
Ende vom Lied, Simon hat dann irgendwann seine Sachen gepackt und ist gegangen. Nicht etwa, weil mein Englisch zu schlecht war, er hatte einen Hund, und dieser Welpen. Der Besitzer vom Island Vibe wollte einen dieser Welpen, jedoch nicht die Welpenmama und hatte angedroht, die Welpen inkl. der Mama ins Tierheim zu bringen. 
Also nahm Simon die zwei übrigen Welpen und Sanni - die Welpenmama - und verließ Island Vibe nach 1,5 Jahren für immer.

Da ist dann gibt es Joan, der kleine Franzose, der morgens um 2.00 Uhr im Dorm unermüdlich Gitarre spielt, selbst wenn das Licht aus ist.
Er hat für mich die Worte "cuddle buddy" manifastiert. Der, der mir jeden Tag von einem atemberaubenden Sonnenaufgang vorschwärmt und als ich es mal schaffte um 4.40 Uhr aufzustehen, war es bewölkt und von der Sonne war freilich nichts zu sehen.

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