Freitag, 26. Mai 2017

Paris oder die Welt da draußen?

Und irgendwie fühlt es sich so an, als wäre nichts für die Ewigkeit.
Ich träume vom Kotzen und renne in diesem Moment auf’s Klo.
Eigentlich wollte ich mit dem nächsten Rausch bis zum Wochenende warten, aber immer kommt es anders. Und irgendwie ist ja auch schon Wochenende, auch wenn ich heute in der Arbeit sitze.
Die Vorhänge zugezogen und Unmengen fettiges Essen ist meine einzige Freude.
Immer wieder drifte ich ab, schlafe ein. Träume von nichts und leide wahnsinnig. „Auch dieser Kater ist nicht für die Ewigkeit.“

Lächle in mich hinein und denke zurück.
5 Jahre sind es fast.

Und gestern. „Ich bin sternhagelvoll“. Das sagte ich dir.
„Ich suche etwas Festes." Sagte ich dir.
Du lachst „Das besprechen wir am besten morgen“. Sagtest du mir.
Streichst mir durch die Haare. Wir müssen jetzt gehen. Ungalant.
Ein flüchtiges „Tschüss“.

Ich lächle und schlafe wieder ein. 

Montag, 29. August 2016

12 Tage

Ich liege eingemummelt in meinem frisch bezogenem Bett. Der Regen spült die letzten Kippen vom Isarstrand und das Dauerhaft, so stelle ich es mir vor.
Ich wollte es die ganze Zeit. Neun Monate lange sehnte ich mich nach meinem Bett. Diesen Moment, mit meinem Laptop auf dem Schoß, Essen, sinnloses Zeug googlen, aus der Sonos-Box dudelt Radio Paradise und der einzige Moderator liebt immer noch die Black Keys.
Also liege ich nun hier, als wäre nichts passiert, als wäre ich nie weggewesen. Alles normal, nur jeder Tag ist Sonntag, so ohne Job.
Es ist irre. Ich fühle nichts. Ich frage nichts und doch, was ist passiert?
Seit 12 Tagen bin ich nun zurück in der Stadt, die ich liebe. Die gleichen Menschen, die gleichen Häuser. Selbst das Atmen fühlt sich gleich an. Und schon bin ich in alten Verhaltensmustern.
Als ich die Tür zu meiner Wohnung aufsperre, dieser Geruch, der mir entgegen strömt, das bin nicht ich. Das ist nicht meine Wohnung, wenigstens nicht jetzt.
Langsam beseitige ich die Überreste meines Untermieters. Es ist dieser Geruch, Brennspiritus hat er zum Putzen benutzt. B R E N N S P I R I T U S. Das Geschirr hat er offenbar nicht gewaschen. Ein bisschen ekelt's ich mich und hasse mich dafür, mein Baby untervermietet zu haben, aber so ohne Geld geht's eben auch nicht.
Ich kann eine Beziehung zu Dingen aufbauen, ich liebe meine Stadt, meine Wohnung, meinen lieblings Mantel, nur mit Menschen klappt das eher nicht.



Mittwoch, 30. Dezember 2015

Jeffreys Bay

11.11. beginnt der Karneval, also so ganz offiziell, oder wie ich in Port Elizabeth landete, zuvor habe ich jedoch meinen Job gekündigt und mich dazu entschlossen, auch wenn ich jetzt schon 30 Jahre alt bin, die Welt zu erkunden.
Mein erster Stopp ist Jeffreys Bay in Südafrika. Ich habe einen 4 wöchigen Englischkurs an der Island Vibe Language School, inkl. Übernachtung gebucht. Es ist ja nicht so, dass ich kein Englisch könnte, aber der Perfektionist in mir möchte immer mehr. Und außerdem habe ich Hemmungen mit Locals zu reden.
Zu dem Geschäftsmodell "Island Vibe" gehört eine Surfschule, ein Flashpackers, ein Backpackers, eine Residenz für Studenten und Volunteers und die Language School. Außerdem gibt es ein Backpacker in Port Elizabeth und Knysna.

Island Vibe ist auf einem Hügel, direkt am Strand und am Township gelegen. Letzteres macht den Aufenthalt spannend. In einer Nacht wurden drei Mädels direkt vor dem Eingang zur Residenz überfallen. Vorher haben die Täter noch das Auto von einem Angestellten aufgebrochen, was heißen soll, sie haben die Scheibe vom Beifahrersitz eingeschlagen. Das ist leider Tagesordnung. Das erste, was man mir erzählte war, dass ich auf keinen Fall alleine Abends, also nach Sonnenuntergang, in die 10 Minuten zu Fuß entfernte Stadt laufen darf. AUF GAR KEINEN FALL!!
Und nach rechts, den Strand entlang, geht man besser auch nicht. OK.
Also wen man mal ausblendet, dass der Besitzer sich eine goldene Nase verdient und die Kriminalität nicht zu verachten ist, kann ich jetzt anfangen ein paar Erlebnisse zu erzählen.

Die meiste Zeit verbrachte ich tatsächlich in Jeffreys Bay. Ich hatte von Montag bis Freitag von 9.00 Uhr bis 15.00 Uhr Unterricht. Nach der Schule ging es dann direkt in die Stadt. In der ersten Woche habe ich Fabienne in der Stadt kennengelernt und wir haben uns gut verstanden. Also haben wir uns öfter getroffen. Nur zum Ende hin wurde unser Kontakt etwas mager bis hin zu einer dubiosen Abschieds-SMS mit den letzten Worten "Mach's gut", kein "Aufwiedersehen" oder "Ich hoffe/freue mich, wenn wir uns Wiedersehen..." Ich lass das mal so stehen.

Nun zum schlüpfrigen Teil. Ich habe bis jetzt noch nicht viele Backpacker in Südafrika gesehen, aber Island Vibe ist bis jetzt der größte Puff. Hier muss sich keiner Sorgen machen, unbefriedigt ins Bett gehen zu müssen und selbst wenn man das tut, kann es passieren, dass plötzlich der Typ, mit dem du dich vorher noch an der Bar unterhalten hast, in deinem Bett neben dir liegen möchte.
Ansonsten kann ich wohl sagen, trifft man auf eine Gruppe Männer im Alter von 21 bis 30, kann man sicher davon ausgehen, dass mindestens einer von ihnen oder besser noch alle, eine Challenge am Laufen haben, die nur ein Ziel verfolgt, so viele Frauen wie möglich zu vögeln oder Punkte für Blowjobs, farbige Frauen, Analsex und sonstige Aktivitäten zu vergeben. Und da ich eher der Kumpeltyp bin, wurde ich selbstverständlich in diese Vorgehensweise eingeweiht.

Dann gab es hier noch Simon. Simon aus London, irgendwas mit vierzig alt, wohnt immer im Zelt und ist mir der Liebste. Ich saß jeden morgen mit meinem Kaffee im Garten und wir unterhielten uns, während er Armbänder und Fußketten knüpfte. Aber eigentlich war es so, dass er mit mir redete und ich zuhörte, denn ganz besonders bei ihm wollte ich einfach nicht Englisch reden, weil er mich auch ständig korrigierte und ich mich furchtbar geschämt habe.
Ende vom Lied, Simon hat dann irgendwann seine Sachen gepackt und ist gegangen. Nicht etwa, weil mein Englisch zu schlecht war, er hatte einen Hund, und dieser Welpen. Der Besitzer vom Island Vibe wollte einen dieser Welpen, jedoch nicht die Welpenmama und hatte angedroht, die Welpen inkl. der Mama ins Tierheim zu bringen. 
Also nahm Simon die zwei übrigen Welpen und Sanni - die Welpenmama - und verließ Island Vibe nach 1,5 Jahren für immer.

Da ist dann gibt es Joan, der kleine Franzose, der morgens um 2.00 Uhr im Dorm unermüdlich Gitarre spielt, selbst wenn das Licht aus ist.
Er hat für mich die Worte "cuddle buddy" manifastiert. Der, der mir jeden Tag von einem atemberaubenden Sonnenaufgang vorschwärmt und als ich es mal schaffte um 4.40 Uhr aufzustehen, war es bewölkt und von der Sonne war freilich nichts zu sehen.